Sake Herstellung

Die Sake Herstellung unterscheidet sich stark von der Herstellung anderer Alkoholika, ist höchst anspruchsvoll und weist beinahe wissenschaftliche Züge auf. Die verkürzte Zusammenfassung in diesem Kapitel wird der Komplexität des Sake Brauens nur in Teilen gerecht, jedoch sind alle Fakten und zentralen Vorgänge aufgeführt und korrekt.

 

 

Polieren

 

Nachdem der Sakereis geerntet wurde, wird er poliert. Dabei wird der fett- und proteinhaltige Mantel des Reiskorns abgetragen, um den stärkehaltigen Kern (Shinpaku) freizulegen. Der entstehende Abrieb wird als Seimaibuai bezeichnet. Das Polieren des Reises bedarf hoher Sorgfalt, da das Polieren schonend und vorsichtig passieren muss; es dürfen weder zu hohe Temperaturen entstehen, noch darf der wertvolle Kern zerbrechen. Der Poliergrad ist entscheidend für den späteren Geschmack des gebrauten Sake, ein hoher Abrieb (Seimaibuai) entspricht einer hohen Qualität, umkehrt spricht ein niedriger Seimaibuai für eine niedrigere Qualität.

 

 

Waschen und Einweichen

 

Der nächste Schritt besteht im Waschen der Reiskörner. Die weißen, pulverartigen Rückstände auf dem Reis werden weggewaschen, was einen erheblichen Einfluss auf die Qualität und den Geschmack des fertigen Sake hat. Nach diesem Schritt wird der Sakereis eingeweicht, um einen bestimmten Wassergehalt in den Körnern zu erzeugen, jeweils abhängig von der Reissorte. Weiterhin bestimmt der Poliergrad des Reises, wie hoch der Wassergehalt sein soll: je höher der Poliergrad, desto schneller absorbiert der Reis das Wasser, und umso kürzer fällt die Einweichzeit aus. Die Dauer kann von unter einer Minute bis zu einer ganzen Nacht betragen.

 

Dämpfen des Reises

 

Als nächstes wird der Reis gedämpft. Dieser Vorgang unterscheidet sich vollkommen von der Zubereitung handelsüblichen Tafelreises. Er wird nicht mit Wasser vermischt und gekocht, sondern Wasserdampf wird durch den Boden des Dampftopfes (Koshiki) geleitet und durchdringt die darüberliegenden Schichten des Reises. Dieser Prozess führt zu einer festeren Konsistenz des Reises. Im optimalen Fall ist die Hülle weich und der stärkehaltige Kern weich. Der fertig gedämpfte Reis wird in zwei Portionen geteilt. Aus einem Teil wird der Koji gefertigt, der zweite Teil gelangt direkt in das Fermentationsbehältnis.

 

Zubereitung des Koji (Seigiku)

 

Seigiku gilt allgemein als das Herzstück des Brauprozesses. Dieser hochkomplexe Vorgang könnte ganze Bücher füllen, hier geben wir aber nur einen kurzen und nachvollziehbaren Überblick.

 

Zu Beginn wird der Koji-Pilz in Form von feinem, dunklem Puder über den abgekühlten, gedämpften Reis verteilt. Anschliessend kommt der bearbeitete Reis in einen gesonderten Raum, in dem eine höhere Luftfeuchtigkeit und Temperatur herrscht. Während der nächsten 36 bis 45 Stunden wird die Entwicklung des Koji konstant überwacht (teilweise schlafen die Toji Meister neben dem Koji Raum). Der Reis wird immer wieder vermischt und neu verteilt. Das Ergebnis sieht optisch aus wie Reiskörner, die eine leichte Glasur haben, der Geruch ist süßlich mit Noten von Kastanien.

 

Koji wird während des Brauprozesses mindestens vier Mal verwendet, und er wird immer frisch und direkt vor der Verwendung zubereitet.

 

Hefestartkultur (Shubo oder Moto)

 

Als erstes wird die Hefestarterkultur angesetzt. Dazu werden der fertige Koji, unbehandelter, gedämpfter Reis, Wasser und konzentrierte Hefen vermengt. Über einen Zeitraum von ca. zwei Wochen konzentrieren sich die Hefezellen extrem (100 Mio. in einem Teelöffel).

 

Die Maische (Moromi)

 

Nachdem der Shubo in einen größeren Tank befördert wurde, wird weiterer Reis, Koji und Wasser hinzugegeben. Dieser Vorgang wird während der folgende vier Tage wiederholt, wobei das Volumen im Tank jeweils verdoppelt wird. Das Ergebnis wird als Hauptmaische bezeichnet und diese fermentiert über die nächsten 18 bis 32 Tage. Temperatur und andere Faktoren werden kontinuierlich gemessen, um das gewünschte Geschmacksprofil zu erzielen.

 

Pressung (Joso)

 

Sobald die Hauptmaische fertig fermentiert ist, wird der Sake gepresst. Dabei wird der Grobtrub (Depot) vom Sake getrennt, so dass der klare Sake abrinnt. Meistens erfolgt die Pressung durch Maschinen. Allerdings existieren auch ältere Methoden der Trennung, bei denen man die Hauptmaische in Beutel füllt und den Sake herausrinnen lässt. Diese Methode wird bis heute angewandt.

 

Filtration (Roka)

 

Nachdem der Sake einige Tage ruht, damit sich Trübstoffe und andere feste Bestandteile am Boden absetzen, wird der Sake durch einen Kohlefilter geleitet. Dieser Prozess ist unterschiedlich in Ablauf und Dauer, je nach Brauerei. Er ist entscheidend für den späteren Geschmack, die Farbe des Sake und das Aroma.

 

Pasteurisierung

 

Als Nächstes wird der Sake pasteurisiert. Das geschieht durch schnelles Erhitzen. Eine Variante ist, den Sake durch ein von heißem Wasser umgebenes Rohr laufen zu lassen. Dieser Vorgang tötet Bakterien und noch aktive Enzyme ab, die später den Geschmack oder die Farbe des Sake verändern würden. Unpasteurisierter Sake wird als Namazake bezeichnet, er ist bekannt für seinen frischen, blumig leichten Geschmack. Jedoch muss Namazake sehr kühl aufbewahrt werden, um nicht zu verderben.

 

Lagerung/Alterung

 

Zum Abschluss des Brauprozesses wird der Sake gelagert, um zu altern. Über sechs Monate hinweg wird der Geschmack abgerundet, um feinste Aromen auszubauen. Da der Sake in dieser Phase immer noch einen Alkoholgehalt von ca. 20% besitzt, wird am Ende des Alterungsprozesses eine gewisse Menge reinem Wassers zugesetzt, um den gewünschten Alkoholgehalt von ca. 16% zu erzielen. Zusätzlich wird in den meisten Fällen eine Cuvée erzeugt, um entweder gleichbleibende Geschmacksprofile zu gewährleisten, oder um komplexe Geschmacksrichtungen auszubauen. Anschliessend, nach der Abfüllung auf Flaschen wird der Sake ein zweites Mal pasteurisiert.

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